Brian Auger
Biografie
Brian Auger (kb, fl, dr, voc), am 18. Juli 1939 in London geboren, hat das Orgelspiel über den Jazzstil von Jimmy Smith hinaus weiterentwickelt. Er tobte mit den Fäusten über die Tastatur, imitierte in freien Rhythmen Bongo- und Congatrommeln und jagte Klangströme durch die Echokammer. 1964 wurde er von den Lesern des "Melody Maker" unter die zehn besten Jazzpianisten gewählt und als "größte musikalische Hoffnung" bezeichnet. 1965 gründete er zusammen mit Julie Driscoll (siehe Bio), Rod Stewart und John Baldry die Gruppe Steampacket und begann Bluesphrasen, Swingfloskeln und Rockmotive miteinander zu verschmelzen. Mit der 1966 gegründeten Trinity, der zunächst außer ihm selbst Julie Driscoll (voc), Dave Ambrose (bg), Clive Thacker (dr) und bald darauf Gary Boyle (g) angehörten, produzierte er mittlere Single-Hits: Save Me (1967), This Wheel’s On Fire (1968), Road To Cairo (1969). Nach dem Ausscheiden von Julie Driscoll übernahm Auger den Hauptgesangspart in seiner Band.
Doch weder mit der im September 1970 aufgelösten Trinity noch mit seinem anschließenden Oblivion Express (Alan Skidmore [as/ts], Jim Mullen [g], Barry Dean [bg], Keith Bailey [dr]) fand er einen überzeugenden und identifizierbaren Gruppenstil. Teils blieben seine oft mit parodistischen Gags durchsetzten Improvisationen brillant ( Definitely What), teils verlor er sich aber auch in unnötigen Nachahmungen der Hits anderer Musiker (Beispiel: I Wanna Take You Higher von Sly & The Family Stone), verirrte sich erfolglos in die klassische Musik ( Pavane von Ravel, Adagio von Albinoni) oder produzierte experimentelle Rhythmus-Etüden ( Listen Here), in denen die "New York Times" allenfalls noch "faszinierende Kuriositäten" sah, "die aber wenig Interesse erwecken".
1973/74 hatte sich Brian Auger wieder gefangen. Er beteiligte sich im Herbst jener beiden Jahre bravourös an den "Jubilee"-Konzerten des deutschen Jazz Rock-Saxophonisten Klaus Doldinger und der Band Passport (siehe Bio), die in der Bundesrepublik zu den Höhepunkten der Rock-Konzertsaison gehörten und in einem Atlantic-Album (mit Alexis Korner, Johnny Griffin, Pete York und anderen Gastmusikern) dokumentiert wurden. Auf den CBS-LPs seines Oblivion Express akzentuierte er in Gemeinschaft mit Jack Mills (g), Barry Dean (bg), Lennox Laington (congas), Steve Ferrone (dr) mit einem aus Soulstücken ( Inner City Blues, Compared To What) und Jazznummern ( Bumpin’ On Sunset) gefügten Repertoire den Funky-Charakter seines Stils. "Ich bin durch das ganze Pop-Business gegangen", so erklärte er, "und habe gemerkt, dass ein Star zu sein am Ende der Musik, die man machen möchte, im Wege steht. Man kann keine Risiken mehr eingehen, weil zu viele Leute von dem, was man tut, wirtschaftlich abhängig sind. Man wird im schlechtesten Sinne ein Gefangener seiner Musik."
Im Herbst 1974 versuchte er diesem Gefängnis zu entkommen: Er verlegte seine Operationsbasis in die USA. Titel einer eigenen Komposition: Beginning Again. Der Disco-Truppe Main Ingredient bescherte er mit Happiness Is Just Around The Bend einen bescheidenen Hit. Doch der Neubeginn lief auch von San Francisco aus wieder auf den alten Stil hinaus. Er holte sich frühere Mitstreiter wie Lennox Laington, Jack Mills und Alex Ligertwood in die Band zurück und nahm 1978 unter dem Titel Encore auch wieder eine LP mit Julie Driscoll, verheiratete Tippett, auf.
Die achtziger Jahre brachte Auger, der von der Zeitschrift "Contemporary Keyboard" zum besten Jazz-Organisten gewählt worden war, weniger auf Rockbühnen als in Jazzclubs zu. Zwar beteiligte er sich 1985 auch an einer kurzzeitig reformierten Spencer Davis Group, jazzte aber überwiegend im Trio mit Colin Hodgkinson (bg), Pete York (u. a. für die in Freiburg aufgenommene LP Steaming [1985]), mit dem Olympic Rock & Blues Circus oder mit lokalen Musikern in Europa und Amerika, wo immer er sie fand.
1990 tat er sich in Kalifornien mit Eric Burdon zusammen und bereiste mit ihm den Globus. 1993 erschien ihr Live-Album Access All Areas mit Augers Sohn Kharma (dr). Für das Spätwerk des seiner Musik ergebenen, publicityscheuen Tastenkünstlers galt, was Chronist Burghard Rausch für das 1985 in Italien entstandene Auger-Album Here And Now postulierte: "Solide Arbeit ohne Überraschungsmomente."
2004 hatte Auger die Rechte an seinen großen Alben aus den Sixties und Seventies zurückerhalten, die entsprechenden Masterbänder erworben und begann, sein Lebenswerk auf Sanctuary neu zu edieren. Die erste Veröffentlichung: das Doppelalbum Get Auger-Nized! The Anthology (2004) mit R & B auf CD 1: The Mod Years und zwölf Tracks aus sieben Alben von 1970 bis 1975 auf CD 2: The Jazz Years. Es folgten die Alben Open, Streetnoise und Definitely What mit zahlreichen Ergänzungstracks. Auf Raven kam parallel dazu eine weitere, inhaltlich unterschiedliche Sammlung von Highlights der Driscoll/Auger-Zusammenarbeit heraus: A Kind Of Love In 1967–1971 (2004).
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Happiness Heartaches (1977)
Search Party (1981)
Olympic Rock & Blues Circus (1981)
LPs Steampacket:
Steampacket Or The First Supergroup (1972)
Sonny Boy Williamson, Jimmy Page & Brian Auger (1972)
Julie Driscoll’s First Recordings And Sonny Boy Williamsons Last (1972)
LPs Trinity/The Brian Auger Trinity:
Chronicle (1967)
Open (1967)
Streetnoise (1969)
Definitely What (1969)
Befour (1970)
Julie Driscoll (1972)
LPs Brian Auger & Julie Tippett:
Encore (1978)
LPs Oblivion Express:
Oblivion Express (1971)
A Better Land (1971)
Second Wind (1972)
Closer To It (1973)
Live Oblivion (1974)
Live Oblivion Vol. 2 (1974)
Straight Ahead (1974)
Voices Of Other Times (1999)
Live At The Baked Potato (2005)
Zusammenstellungen (Auswahl):
Brian Auger’s Musical History (2004)
Get Auger-Nized! The Anthology (2004)
A Kind Of Love In 1967–1971 (2004)

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