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Anthrax

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Anthrax

Biografie

Anthrax , 1981 in New York gegründet, entwickelten sich im Laufe der achtziger Jahre von einer gewöhnlichen Trash Metal-Band zu Pionieren neuer Heavy Metal-Spielarten wie Speed Metal und Crossover, brachen das festgefahrene, stereotype Image von Heavy Metal aber auch mit Einflüssen aus anderen Stilarten bis hin zu Country-Parodien auf. Als eine der ersten Bands verbanden die fünf Musiker Hard Rock-Muster mit Rap und Funk. Scott "Not" Ian (g), als Scott Rosenfeld am 31. Dezember 1963 in Queens, New York, geboren, Neil Turbin (voc) und Dan Spitz (g), geb. am 28. Januar 1963 in Queens, spielten in ihrer Band zunächst einen kaum auffälligen Hard Rock, wie ihn zahlreiche Musiker in und um New York auf amateurhaftem Niveau darboten. Sie hatten Dan Lilker (bg), am 18. Oktober 1964 in Queens, und Charles Benante (dr), am 27. November 1962 in der Bronx, New York, geboren, überreden können, gemeinsam mit ihnen Konzerte zu bestreiten. Benante, Lilker und auch Ian engagierten sich gleichzeitig in einer anderen Metal-Band, die sich Stormtroopers of Death nannte.

Als die Betreiber des unabhängigen Megaforce-Labels, das Ehepaar Marsha und John Zazula, die Geschicke der Band in die Hand nahmen, professionalisierte sich das Auftreten der fünf vor allem an Skateboards und Comics interessierten Musiker. 1984 erschien das Debütalbum Fistful Of Metal. Wenn sich die mit einem provokanten Cover versehene LP auch einigermaßen gut verkaufte, hatte sich die Band noch keineswegs stabilisiert: Lilker und Turbin verließen Anthrax und wurden durch Joey Belladonna (voc), bürgerlich Joey Bellardini, geb. am 30. Oktober 1960 in Oswego, New York, und einen Roadie der Band, Frank Bello (bg), geb. am 7. November 1965 in der Bronx, ersetzt. Nach der EP Armed And Dangerous (1985), die auch eine Version des Sex Pistols-Klassikers God Save The Queen enthielt, folgte im selben Jahr Spreading The Disease. Das erfolgreiche Album verschaffte der Band ein Engagement als Vorgruppe zu Europa-Konzerten von Metallica. "Mosh it up", skandierten ihre Fans zu den furiosen Live-Auftritten, zu den rasend schnell gespielten Songs.

Anthrax setzten genretypische Maßstäbe: Double Bass Drum, einfache, unisono von Bass und Gitarre gespielte Riffs, gemeinsam im Chor herausgeschleuderte Texte. Mit Spreading The Disease hatten Anthrax den Vertrieb ihrer Platten an die Major Company Island gebunden, doch blieben die Musiker kompromisslos: "Wir verkaufen uns nicht, und wir beruhigen uns nicht", sagte Dan Spitz. "Und wir machen den Vertrag nicht, weil wir Bubblegum-Musik machen wollen. Die Majors werden ihre Kasse klingeln hören und uns unsere künstlerische Freiheit lassen." Wie um das zu bekräftigen, hatten sie der LP einen Sticker beigelegt: "Dieses Album enthält keine Hit-Single." Gleichzeitig änderte die Band ihr Image: Ian ließ sich eine Glatze scheren, die Musiker zogen mit kurzen, weiten Hosen und übergroßen T-Shirts die Uniform der Großstadtstraßen an.

Ihre Musik sahen sie trotz der mitunter den Büchern von Horrorautor Stephen King nachempfundenen Texte nicht übermäßig ernst: Immer wieder blitzte ihr satirischer Humor in den Songs auf. Die Sammelplatte Attack Of The Killer B’s (1991) enthielt nur Single-B-Seiten, Studio-Outtakes und Live-Aufnahmen, entwickelte sich aber dennoch zu einer der meistverkauften Platten der Gruppe: Startin’ Up A Posse zeigte die Comic-Künste der Musiker, N.F.B. die Verballhornung des New Yorker Straßen-Slang. I’m The Man und Bring The Noise waren Beispiele der Annäherung von Heavy Metal und Rap. Bring The Noise brachte die Band mit Public Enemy zusammen und zeigte die Möglichkeiten einer Verbindung von Metal und Rap, wie sie im Laufe der neunziger Jahre immens populär werden sollte. "Wir haben Bring The Noise nur dreimal hinter der Bühne geprobt", staunte Ian über den ersten, höchst erfolgreichen Auftritt mit Public Enemy, "und wussten nicht, ob 13 000 Heavy Metal-Fans das akzeptieren würden."

Anthrax kehrten zu konventionelleren Formen von Heavy Metal zurück, verfassten seit Anfang der neunziger Jahre zeitkritische Texte, in denen sie sich gegen Rassismus, Obdachlosigkeit oder Gewalt in der Familie wandten. 1992 verließ Belladonna die Band und wurde durch John Bush (voc), am 24. August 1963 in Los Angeles geboren, ersetzt. Bush beteiligte sich auch am Songschreiben und gab der Gruppe einen einheitlichen Sound, wie die LP Sound Of White Noise (1993) bewies. Erstmals schaffte es die Band mit dieser LP in die Top Ten der US-LP-Charts. Dan Spitz mochte die vorsichtige Rückkehr zu vergangenen Formen von Hardcore Trash Metal nicht mitvollziehen und verließ während der Aufnahmen zu Stomp 442 (1995) die Band. Als Gitarren-Ersatzmann sprang Dimebag Darrell von Pantera ein – und Drummer Benante. Das Album kam über die Position 47 in den US-Charts nicht hinaus. Im August 1997 wurden Scott Ian und eine Freundin in Tampa, Florida, verhaftet. Eine Überwachungskamera hatte aufgezeichnet, wie sie um 4.30 Uhr im Vollsuff ein Emblem der New York Yankees an deren Trainingscamp abzumontieren versuchten. Den Grund erklärte Ian zerknirscht bei MTV: "24 Jahre Yankee-Fan und anderthalb Flaschen Rotwein zu viel."

Nach dem schlechten Verkaufsergebnis der letzten CD schloss die Band zu dieser Zeit einen neuen Vertriebsvertrag mit dem kleinen Label Ignition Records ab. Das erste Produkt, unverständlicherweise betitelt Volume 8: The Threat Is Real (1998), setzte jedoch den Abwärtstrend dramatisch fort. Es wurde in England eine Woche auf Position 73 notiert, in den USA zwei Wochen mit der Spitze auf Platz 118. Der Handel richtete sich auf Ausverkaufs-Sampler ein: Return Of The Killer A’s (1999), Classic Anthrax: The Universal Masters Collection (2001), The Collection (2002), The Very Best (2003). 2002 machten Ian, Bush, Benante und Bello mit Rob Caggiano als Leadgitarristen einen Comeback-Versuch. Das Album hieß We’vey Come For You All (2003), die Single Taking The Musik Back. In den Charts wurden beide nicht erwähnt. Bis zum Oktober 2006 gaben Anthrax in den USA, Kanada, Großbritannien, Japan und Australien 140 Konzerte, bei denen sie gelegentlich das klassische Album Among The Living von 1987 in voller Länge herunterspielten. "Finally, we’re going back to work", annoncierte Scott Ian am 24. Januar 2007 im Internet: "We’re going to Chicago to work our asses off and write a record. It’s time. We’re ready. One problem – no singer." Im Dezember 2007 stellte man als neuen Mann am Mikro Dan Nelson vor, der jedoch nur wenige Monate später schon wieder für Altmeister John Bush das Feld räumte.

2011 half Andreas Kisser von Sepultura an der Gitarre aus, da Scott Ian Vaterfreuden entgegen sah.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Fistful Of Metal (1984)
Armed And Dangerous (1985 EP)
Spreading The Disease (1985)
Among The Living (1987)
I’m The Man (1987 EP)
State Of Euphoria (1988)
Persistence Of Time (1990)
Sound Of White Noise (1993)
Live:
The Island Years (1994)
Stomp 442 (1995)
Volume 8:
The Threat Is Real (1998)
We’ve Come For You All (2003)
Music Of Mass Destruction (2004)
Alive 2 (2005)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Attack Of The Killer B’s (1991)
Mosher 1986–1991 (1998)
Return Of The Killer A’s (1999)
Classical Anthrax:
The Universal Masters Collection (2001)
The Collection (2002)
The Very Best (2003)
Anthology – No Hit Wonders (2005)
LPs Scott, Benante, Lilker, Milano als Stormtroopers of Death:
Speak English Or Die (1985)
Live At Budokan (1992)

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