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Anastacia

Anastacia

Biografie

Anastacia Lynn Newkirk (voc), am 17. September 1968 als Tochter des Cabaret-Sängers Robert Newkirk und der Musical-Darstellerin Diane Hurley in Chicago geboren, startete nach ihrem Debütalbum Not That Kind (2000) zunächst in Europa und besonders in Deutschland mit der Liebesabrechnung I’m Outta Love an die Spitze der Charts, platzierte sich mit ihren ersten drei Alben auf den Positionen eins oder zwei sowie als Gast in der TV-Show "Wetten, dass …?" und polarisierte die Presse. Als sie im Juni 2001 "mit selbstbewusster Ausstrahlung und mitreißender Musikalität" beim größten Rockfestival Süddeutschlands im Nürnberger Frankenstadion auftrat, jubelte Helmut Ölschlegel in "Good Times": "Ihr Auftritt zählte zu den absoluten Höhepunkten des dreitägigen Festivals." Zum ausverkauften Konzert im Berliner Velodrom, Oktober 2004, bescheinigte ihr Claudia Wiegand in "Tip" "eine geschmackssichere Mischung aus Pop, Rock und Soul, von ihr selber Sprock genannt, die am ehesten noch an eine moderne Antwort auf Tina Turner erinnert". Wem beim "markigen Timbre einer pechschwarzen Soul Sista aus dem tiefsten Harlem" nicht "stante pede die Gänsehaut in den Nacken kriecht", so Andreas Kletzin im "Musikexpress" über das Album Freak Of Nature (2001), "der sollte das nächste Mal am besten gleich zu den Schürzenjägern greifen".

Dagegen rollten die deutschen Anastacia-Verächter das Magazin "Rolling Stone" als Sturmgeschütz in Stellung. 2002 brachte Jörg Feyer seinen Verriss von Freak Of Nature auf die Formeln: "Wenig überzeugendes Song-Material von der Kraftstudio-Wuchtbrumme … weitgehend austauschbare Backing Tracks … kommode Balladen von der Stange mit ausgelutschten Metaphern … Gebrauchsmusik für Menschen, die sich eigentlich nicht für Musik interessieren." Birgit Fuß artikulierte ihren Ekel über das angebliche "Kampf-Röhren" auf der CD Anastacia (2004) noch deftiger: "Nur ein müder Aufguss der gewohnten Formel: mitbrüllbare Durchhalteparolen, forcierte Dynamik, fetter Chorus, mit fiesem Beat unterlegt."

Leser mochten sich gefragt haben: Was motiviert eine solche Kritik? Neid auf das Alphatier? Anastacia war intelligent, sexy und charmant hinter ihren Dutzenden von Brillen. Sie verfügte über einen starken Willen, Ausdauer und Zielstrebigkeit. Sie konnte Schicksalsschläge bewältigen, ohne ihre Contenance und Liebenswürdigkeit zu verlieren. Sie war drei, als ihre Eltern sich trennten: Zusammen mit ihrer älteren Schwester Shawna und dem jüngeren Bruder Brian wuchs sie bei der Mutter in Chicago auf. Brian war Autist. Als sie 13 war, gab es endlich eine Scheidung, und die kleine Familie zog an die Upper West Side von New York. Dort wurde bei ihr die chronische Darmkrankheit Morbus Crohn diagnostiziert. Von der Operation behielt sie eine 18 Zentimeter lange Narbe auf der rechten Bauchseite zurück.

Da sie Tänzerin werden wollte, meldete sie die Mutter bei der Professional Children’s School in Manhattan an. Doch der Teenager empfand die Ausbildung als zu wenig professionell und ging wieder ab. Sie arbeitete in Gelegenheitsjobs, beispielsweise als Kellnerin, und holte sich ihre Tanzkunst in der Praxis: in Diskotheken. 1993 ging sie nach L.A. mit dem Ziel Hollywood. Wiederum Klinkenputzen und Hungerjobs. Als sich 1998 Lisa Braudé, eine ehemalige Rechtsanwältin, um sie zu kümmern begann und sie bei MTV in die Nachwuchs-Show "The Cut" lancierte, war sie schon 25. Sie kämpfte sich tanzend bis in die Top Ten und war schon bald in zwei Videos des selbstbewussten Girl-Trios Salt ’n’ Pepa zu bewundern.

Mittlerweile verhandelte Lisa Braudé mit verschiedenen Plattenfirmen und schloss 1999 mit Epic ab. Das Einstandsalbum Not That Kind erschien im Oktober 2000 und wurde weltweit sieben Millionen Mal verkauft, gefolgt von Freak Of Nature (2001) mit einer Verkaufsauflage von zehn Millionen. Zwei Jahre lang räumte Anastacia als Beste Newcomerin und als Künstlerin des Jahres (Goldene Europa), als Best Pop Act International (Comet Award), Best Female Artist (Echo), Best Female International Artist (Edison Award), Artist International (Amadeus Award), Best International Pop Artist (Goldene Kamera), Best Music International (Bambi) etc. so gut wie jeden renommierten Musik- und Medien-Preis in Europa ab. Im Januar 2003 dann die Schreckensnachricht aus dem Krankenhaus in New York: Brustkrebs. Anastacia Lynn Newkirk musste wieder einmal kämpfen.

In der Rekordzeit von sechs Monaten überstand sie Operation und Chemotherapie, arbeitete bereits im Hospital wieder an neuen Songs. Als erste Single des vorigen Albums Freak Of Nature hatte sie Paid My Dues ausgekoppelt, auf Deutsch etwa: Ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Dem dritten Longplayer gab sie nicht ohne Grund ihren Namen: Anastacia heißt auf Griechisch "die Auferstandene". Die Songtitel, sämtlich wieder über die Zeit und das Überleben, spiegelten ihre Befindlichkeit: Seasons Change, Left Outside Alone, Time, Sick And Tired, Heavy On My Heart, I Do, Where Do I Belong, Maybe Today und so fort. Die ersten Zeilen: "Cradle the weight of your life / You can survive / What lies before you / is only a matter of time."

Die CD Anastacia (2004) verkaufte sich bis Herbst 2006 ca. 15 Millionen Mal und wurde allein in Deutschland mit fünf Platinpreisen prämiert. Triumphierend kehrte sie auf die Bühne zurück. Das Best-of-Album zur nächsten Tournee, im November 2005 veröffentlicht, hieß Pieces Of A Dream. Nach sieben Monaten lag die Weltauflage bei drei Millionen. Im Duett mit Eros Ramazzotti verbuchte Anastacia 2006 auch wieder einen internationalen Top-Single-Hit: I Belong To You. Im April 2007 heiratete sie im Hotel Quinta Real in Huatulco, Mexiko, ihren sechs Jahre älteren britischen Bodyguard Wayne Newton.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Not That Kind (2000)
Freak Of Nature (2001)
Anastacia (2004)
Heavy Rotation (2008)

Zusammenstellung:
Pieces Of A Dream:
Best Of Anastacia (2005)

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