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Christina Aguilera

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Aguilera, Christina

Biografie

Christina Aguilera Maria (voc), als Tochter eines aus Ecuador stammenden US-Berufssoldaten und einer Spanisch-Übersetzerin und Violinistin am 18. Dezember 1980 auf Staten Island, New York, geboren, entwickelte sich zielstrebig vom ehrgeizigen Stimm-Wunderkind über den rebellischen Teenager mit zehn Piercings zur schamlosen "Dirty Xtina" in Lederkorsagen, Netzstrümpfen und mit Millionenumsätzen, ehe sie 2006 mit der CD Back To Basics einen weiteren Schritt zur "verrucht-unnahbaren Hollywood-Diva", zum "blonden Edelgift zwischen Jean Harlow und Veronica Lake" ("Die Welt") vollzog. Sie habe der Musik, die sie von Kind an prägte, Blues & Jazz & Soul, eine glamouröse, hochmoderne Hommage zu Füßen gelegt, urteilte der Kritiker Peter E. Müller und nannte das Doppelalbum "ein routiniert auf Studiohochglanz poliertes Dancefloor-Wunderwerk". Sie mache nicht den Fehler, tumb zu kopieren, sie zitiere den Jazz in kurzen Samples, habe dem Blues mitunter in der Stimme, aber selten im Arrangement, und versuche gar nicht, die großen Stimmen von Billie Holiday bis Aretha Franklin zu kopieren: "Das hat sie bei dieser großartigen, emotionsgeladenen Stimme gar nicht nötig."

Den puren Stimmumfang hatte ihre Großmutter zum ersten Mal bei ihr bemerkt. Der Wunsch, Sängerin zu werden, stand schon im Kindesalter bei ihr fest. 1998 sang sie in Whitney Houstons Song Run To You, den sie in ihrem Badezimmer auf einem alten Tonbandgerät aufnahm, das zweigestrichene hohe E. Mit dem Tape bewarb sie sich bei der Disney-Produktion für den Zeichentrickfilm "Mulan", durfte darin das Lied Reflection singen, erhielt einen RCA-Schallplattenvertrag und wurde – "Best Original Song" – für einen Golden Globe nominiert. Im August 1999 nannte die "New York Times" ihre Stimme "erschlagend". 2003 gewann sie bei einem MTV-Countdown unter den "22 Greatest Voices in Music" den fünften Platz (Nummer drei unter den Sängerinnen) und setzte sich bei einer Online-Umfrage des "Cove Magazine" nach den "100 Greatest Pop Vocalists" an die Spitze.

Doch ein Umfang von vier Oktaven, den ihr MTV 2006 im Special "All Eyes on Christina" bescheinigte, machte allein noch keine erfolgreiche Sängerin. In der Schule ließ Christina keine Gelegenheit für öffentliche Auftritte aus. Vor wichtigen lokalen Football-, Baseball- und Hockey-Spielen sang sie die Nationalhymne. Mit acht trat sie in einer Nachwuchs-Talentshow zum ersten Mal im Fernsehen auf. Dass sie im Alter von zehn im TV-"Star Search" mit dem Song A Sunday Kind Of Love von Etta James abgeschmettert wurde, konnte sie nicht entmutigen. Gleich anschließend trat sie mit demselben Lied in der TV-Morgenshow "Wake Up with Larry Richter" an und hörte das Lob, sie klinge wie 20. Mit zwölf hatte sie im "New Mickey Mouse Club" des Disney-TV-Kabelkanals als juvenile Moderatorin ihren ersten regulären Job – in demselben Programm, aus dem auch Britney Spears, Justin Timberlake, Rhona Bennett (EnVogue) und andere Jung-Stars hervorgingen.

Als die Serie 1994 endete, begann Christina, sich mit Demos bei Plattenfirmen zu bewerben. Ihre Eltern hatten sich scheiden lassen, als ihr Vater 32, ihre Mutter 20 und sie gerade im Schulalter war. Der Vater blieb ihr als ein launischer, herrschsüchtiger Mann in Erinnerung. Mit der Mutter, die bald darauf einen Heilpraktiker heiratete und fortan Shelly Kearns hieß, sowie ihrer jüngeren Schwester Rachel wuchs sie bei der Großmutter in Rochester bei Pittsburgh in Pennsylvania auf, die mit ihrer Liebe zu Jazz und Soul ihre wichtigste Bezugsperson wurde. Aguileras Einstieg in den kommerziellen Schallplattenmarkt vollzog sich nach unerforschlicher RCA-Entscheidung mit der Duett-Single All I Wanna Do (1998) mit Keizo Nakanishi – big in Japan. Doch bereits ihre zweite Single Genie In A Bottle erreichte in den USA, Kanada und England die Spitze der Pop-Charts und wurde in Deutschland und Österreich auf Platz zwei notiert. Das dazugehörige Album Christina Aguilera (1999), das mit What A Girl Wants, Come On Over, Baby (All I Want Is You), I Turn To You weitere Single-Hits abwarf, wurde allein in den USA mehr als acht Millionen Mal verkauft und brachte der Sängerin, die an den Songs auch als Autorin mitgearbeitet hatte, den Grammy "Best New Artist" ein. 2000 ließ RCA das Album Mi Reflejo in spanischer Sprache sowie die Weihnachts-CD My Kind Of Christmas folgen.

Nach dem Erfolg von Mi Reflejo auf dem Latino-Markt inklusive einer Grammy-Nominierung als "Best Latin Pop Album" bat sie Ricky Martin zum Duett Nobody Wants To Be Lonely, das in Deutschland und England in die Top Five aufstieg und in den USA ebenfalls für einen Grammy nominiert wurde, in der Kategorie "Best Collaboration with Vocals Pop", aber nicht gewann. Ein Jahr später entfiel der Grammy in dieser Kategorie auf ein Remake des Labelle-Hits Lady Marmelade (Voulez-Vous Coucher Avec Moi) aus dem Jahr 1975, das Christina Aguilera zusammen mit den Sangesschwestern Lil’ Kim, Pink und Mya für Baz Luhrmanns optisch und klanglich spektakulären Musicalfilm "Moulin Rouge" aufgenommen hatte – auf Single Platz eins in den Märkten USA, UK, Österreich und Deutschland.

Von der Kritik wurde die Newcomerin mit Ausnahme der Hardcore-Rockmagazine anfangs durchweg positiv beurteilt. Der Vergleich mit Britney Spears fiel bezüglich der Stimmqualität nicht selten zu ihren Gunsten aus, ledig-lich das Marketing-Konzept wurde bemängelt. Einer Seite erschien ihr Image als zu sehr Bubblegum, der anderen als zu aufreizend und sexy – für die Sängerin ein weiterer Anlass, die Kette zu zerbrechen, an die ihr Manager Steve Kurtz sie gelegt hatte. Sie verklagte Kurtz auf Vertragsauflösung wegen Vertrauensbruchs, unerlaubter Bevormundung ihrer beruflichen Aktivitäten und Unterschlagung; Kurtz hatte Hilfsmanager für sich arbeiten lassen. Parallel dazu musste sie sich einer nicht von ihr genehmigten Veröffentlichung 15 Jahre alter Demos unter dem CD-Titel Just Be Free durch die Firma Warlock Records erwehren. Nach einer außergerichtlichen Einigung kam das Album mit einem Coverfoto der 15-jährigen Aguilera, mithin als historisch erkennbar, im August 2001 offiziell auf den Markt. Steve Kurtz hatte sie inzwischen seinerseits auf Vertragsbruch verklagt. Beide Verfahren endeten mit Vergleichen.

Mit Irving Azoff als neuem Manager und dem eindeutigen Bekenntnis zum Image "Xtina, the reflection of my darker self" brachte sie im Oktober 2002 das zweite reguläre Album Stripped auf den Markt: "Ich wollte sexy sein, Aufsehen erregen und mir Respekt verschaffen. Ich war also definitiv nicht diese Künstlerin, die sich von ihrer Mutter die Hand halten und von ihrem Vater managen lässt. Um Gottes willen! Ich war einfach nur ich. Und Stripped war meine Art zu zeigen, was in mir vorgeht. Es fühlte sich gut an, wie ein Befreiungsschlag." Sicher nicht nur zur Promotion des Albums enthüllte sie sich für Fotostrecken in Magazinen wie "Maxim", "Rolling Stone", "CosmoGirl!". Das von ihr gewünschte Image einer Femme fatale kam auch in den Songtexten von Liedern wie Dirrty, Fighter, Beautiful, The Voice Within, Can’t Hold Us Down (mit Lil’ Kim) zum Ausdruck, an denen sie sämtlich als Co-Autorin beteiligt war. Das Album brachte ihr das Prädikat "Female Artist of the Year" von "Billboard" ein, enttäuschte aber zunächst an der Ladenkasse. Stripped verkaufte in zwei Jahren in den USA mit rund vier Millionen Exemplaren nur halb so viel wie das Debütalbum. Die weltweiten Umsätze addierten sich allerdings am Ende auf etwa zehn Millionen.

Demonstrativ gepierct, mit gekürzten und schwarzgefärbten Haaren, schloss sich Aguilera im Juni 2003 Justin Timberlakes "Justified"-Tournee an, die fortan "Justified & Stripped Tour" hieß. Nach einem technischen Zwischenfall durch einen aufs Equipment herabstürzenden Beleuchtungskörper im August in Atlantic City setzte sie die Konzerte im Herbst allein als "Stripped Tour" fort. Leser des amerikanischen "Rolling Stone" erklärten diese in einer Umfrage zur besten Tournee des Jahres. Das Jahr 2004 begann mit einem dritten Grammy Award für den Song Beautiful als "Best Female Pop Vocal Performance". In diesem Jahr brachte sie nur zwei kommerziell enttäuschende Singles heraus: ein Cover des Disco-Hits Car Wash der Gruppe Rose Royce mit Missy Elliott für den Film "Shark Tale" sowie ein Duett mit der Sängerin Nelly aus deren Album Sweat: Till Ya Head Back.

Eine für den Sommer geplante Tournee wurde kurzfristig wegen einer Stimmbanderkrankung des Stars abgesagt. Der wirkliche Grund liege jedoch, vermutete das britische Boulevardblatt "The Sun", im Mangel an neuem Material und enttäuschendem Vorverkauf. Aguilera, wieder erblondet, kultivierte das Glamour-Image einer Hollywood-Diva und erfreute sich an Schlagzeilen wie "From Crass to Class" (Vom Groben zum Verfeinerten) in der Illustrierten "Elle". Sie verkaufte ihr Werbe-Image an Mercedes, forderte ihre Fans vor der US-Präsidentschaftswahl zum Urnengang auf ("Declare Yourself") und widmete sich(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Christina Aguilera (1999)
Mi Reflejo (2000)
My Kind Of Christmas Album (2000)
Just Be Free (2001)
Stripped (2002)
Back To Basics (2006)
Bionic (2010)

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