Ryan Adams
Biografie
Ryan Adams (voc, g, p, harm), mit den Vornamen David Ryan am 5. November 1974 in Jacksonville, North Carolina, geboren, versuchte gar nicht erst, einen eigenen Stil auszuprägen. Als gewiefter Rock-Enzyklopädist setzte er sich über alle Genres, Schulen und Spielauffassungen von sanftem Country Folk über pralle Psychedelic bis zu ruppigem Ga-rage Rock hinweg. Mit seinen Alben produzierte er bis an den Rand vollgepackte eklektizistische Rundumschläge, bei denen jedoch seine profunden Kenntnisse verschiedenster Idiome überraschten und überzeugten. Auf der Schwelle zum neuen Jahrtausend setzte er fort, womit Beck ein Jahrzehnt zuvor begonnen hatte.
Als Kind wurde Ryan Adams von seinen Eltern ausschließlich mit Country Music beschallt, entwickelte aber selbst eine Vorliebe für Punk. Unter dem Einfluss der Dead Kennedys, Smiths, Sonic Youth und Black Flag gründete er mit 16 seine erste eigene Band, The Patty Duke Syndrome. Zwei Jahre später zog die Band nach Raleigh, der Hauptstadt von North Carolina, löste sich aber bald darauf auf. Etwa zur selben Zeit entdeckte er die Melancholie der Songs von Gram Parsons und Steve Earle. Mit 20 gründete er die Folk Rock-Band Whiskeytown, mit der er bis 1999 drei Alben einspielte, deren letztes aus labelpolitischen Gründen erst nach Adams’ solistischem Erfolg veröffentlicht wurde. Whiskeytown wurde von der Kritik hoch geschätzt, hatte aber kommerziell wenig Glück und fiel 1999 wieder auseinander.
Auf seinem Solo-Debüt Heartbreaker (2000) verarbeitete Adams alle musikalischen Erfahrungen, die ihn bis zu diesem Zeitpunkt geprägt hatten. Seine verbindlich schnodderige Art, sich durch ein breites Spektrum wie zufällig am Wegesrand aufgelesener Eindrücke gleiten zu lassen, sicherte ihm sofort die Gunst einer weltweit nach Identifikation suchenden, der medialen Bevormundung immer überdrüssigeren Hörerschaft. Adams’ Songs wirkten wie ein Rückzugsgebiet, in dem man seine persönliche Nische nach Belieben suchen und finden konnte. Zu den prominenten Gästen des Albums gehörte unter anderem Emmylou Harris.
Nicht zuletzt aufgrund der Unterstützung Elton Johns erhielt er nun einen Vertrag von der Universal-Tochter Lost Highway. Auf Gold (2001) wirkte er bereits selbstsicherer, wusste Konturen und Kontraste gezielter zu setzen und den Hörer in ein schwer überschaubares Labyrinth verschieden konsequent durchgehaltener Ansätze zu locken. Der Country-Einfluss wurde zugunsten deutlicher Glamrock-Anleihen ein wenig zurückgedrängt. Mit der eingängigen, zurückhaltend auf die Anschläge vom 11. September reagierenden Single New York, New York erhielt er rund um die Welt umfangreiches Radio-Airplay. Nebenbei tourte er mit einer Garage Rock-Band namens The Pinkhearts. Unermüdlich schrieb und produzierte er neue Songs, bis er Mitte 2002 auf einem Stapel von Bändern saß, die in fünf verschiedenen Sessions entstanden waren.
Bewusst wurde Demolition (2002) in der Art eines Greatest Hits-Albums angelegt. Dabei brachte Adams den Mut auf, den Demo-Charakter der Songs beizubehalten, was sie bei aller Verschiedenartigkeit umso glaubwürdiger miteinander verband. Doch wer nun nach drei Alben vermutete, dass jener wirksame Extrem-Eklektizismus zu Adams’ persönlichem Markenzeichen geworden wäre, wurde von dem Songwriter abermals herausgefordert. Mit der Band The Finger, in deren Credits der Name Ryan Adams nicht ein einziges Mal auftauchte, spielte er 2002 mit We Are Fuck You ein ebenso raues wie gemeines Hardcore-Album ein. Darüber hinaus kündigte er die Gründung einer All Star-Band namens The Fucking Virgins mit Evan Dando (Lemonheads), Melissa Auf Der Maur (Hole) und James Iha (Smashing Pumpkins) an.
Doch das Bekenntnis zu dezibelstarkem Hardcore sollte nicht lange anhalten. Zwar ließ er 2003 auf seinem halbherzigen, eher wie ein Fakebook zwischen U2 und Radiohead angelegten Konzeptalbum Rock ’n’ Roll noch einmal den schmachtenden Rocker raushängen, doch das Werk klang zu programmatisch nach ruppiger Antithese, als dass es Adams’ wahres Faible für schwermütige Country-Balladen länger hätte unterdrücken können. Nach ausgiebigen weltweiten Touren nahm er einen langen Anlauf und brachte zwei Jahre später eine Country Soul-Trilogie heraus, deren infektiöse Verzweiflung den jungen Songwriter endgültig zu einem Country-Stern von der künstlerischen Leuchtkraft eines Hank Williams machen sollte. Mit Cardinology (2008) diente er sich endgültig dem Mainstream an und überließ das Terrain des Alternative Country jüngeren Musikern und Bands wie den Felice Brothers, Timesbold oder A.A. Bondy.
(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,
Copyright © 1973, 1975, 1990, 1998, 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Historische Diskografie
LPs:
Heartbreaker (2000)
Gold (2001)
Demolition (2002)
Rock ’n’ Roll (2003)
Cold Roses (2005)
Jacksonville City Nights (2005)
29 (2005)
Easy Tiger (2007)
Cardinology (2008)
Orion (2010)
III/IV (2010)
Ashes & Fire
LPs mit Whiskeytown:
Strangers Almanac (1997)
Faithless Street (1998)
Pneumonia (2001)
LP mit The Finger:
We Are Fuck You (2002)


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